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„Das wächst sich aus" – stimmt das eigentlich?

  • Autorenbild: Elisa Perez-Yalniz
    Elisa Perez-Yalniz
  • 9. Aug.
  • 2 Min. Lesezeit

„Das wächst sich aus" – stimmt das eigentlich?

Manchmal ja. Es gibt Kinder, die spät anfangen zu sprechen und mit fünf Jahren nicht mehr von Gleichaltrigen zu unterscheiden sind. Diese Kinder gibt es wirklich, und sie sind der Grund, warum der Satz so hartnäckig weitergegeben wird.


Das Problem ist: Man sieht einem Kind vorher nicht an, ob es zu dieser Gruppe gehört. Die Forschung zu Late Talkern zeigt seit Jahren ein recht stabiles Bild – ein erheblicher Teil dieser Kinder holt tatsächlich von allein auf. Ein anderer erheblicher Teil nicht. Und die Unterscheidung gelingt im Nachhinein sehr gut, im Voraus dagegen kaum.

Wer abwartet, wettet also. Die Frage ist nur, was der Einsatz ist.



Was Abwarten kostet – und was Hinschauen kostet

Wenn du hinschaust und dein Kind war tatsächlich ein Spätzünder, hast du ein paar Termine gehabt und ein paar Wochen Alltagsförderung gemacht. Die schadet keinem Kind. Kein Kind hat je darunter gelitten, dass seine Eltern besonders viel mit ihm gesprochen und gespielt haben.


Wenn du abwartest und dein Kind war kein Spätzünder, hast du das wirksamste Entwicklungsfenster verpasst. Aufgeholt wird das später mit deutlich mehr Aufwand und selten vollständig.


Die beiden Fehler sind nicht gleich teuer. Das ist der ganze Punkt.




Woran du eher erkennst, dass es kein reines Spätzünden ist

Es gibt Hinweise, die dagegen sprechen, dass sich das von allein reguliert:

Es betrifft nicht nur einen Bereich. Ein Kind, das spät spricht, ansonsten aber altersgerecht spielt, klettert und Kontakt sucht, ist etwas anderes als ein Kind, bei dem gleichzeitig Motorik, Spielverhalten und Sprache hinterherhinken.


Das Sprachverständnis ist mitbetroffen. Kinder, die viel verstehen und wenig sagen, haben deutlich bessere Aussichten als Kinder, die auch Anweisungen nicht folgen können.


Es gibt Stillstand statt Langsamkeit. Langsame Entwicklung ist unproblematischer als Entwicklung, die über Monate an derselben Stelle bleibt – oder Fähigkeiten, die wieder verschwinden. Letzteres gehört immer ärztlich abgeklärt.


Und: Es gibt eine familiäre Häufung. Sprachentwicklungsstörungen, Autismus und AD(H)S treten familiär gehäuft auf. Wenn es das in deiner Familie schon gibt, ist das ein Grund, genauer und früher hinzuschauen.



Der "ehrliche" Teil

Ich sage Eltern nicht, dass ihr Kind eine Störung hat. Das kann und darf niemand nach einem Gespräch. Aber ich sage ihnen, dass „abwarten" keine harmlose Empfehlung ist, sondern eine Entscheidung mit Konsequenzen – und dass sie diese Entscheidung informiert treffen sollten.


Der kostenlose Eltern-Check hilft dir dabei. Er gibt dir keine Diagnose, sondern eine Einordnung: Liegt das, was du beobachtest, im typischen Rahmen, oder lohnt sich ein genauerer Blick?



 
 
 

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