Mein Kind spricht nicht – ab wann sollte ich hinschauen?
- Elisa Perez-Yalniz

- 9. Aug.
- 2 Min. Lesezeit
„Das kommt schon noch." Diesen Satz hören Eltern häufiger als jeden anderen, wenn ihr Kind mit zwei oder drei Jahren kaum spricht. Manchmal stimmt er. Manchmal kostet er ein Jahr, in dem man schon hätte anfangen können.
Ich arbeite seit über zehn Jahren mit Kindern, die sich anders entwickeln, und die Frage nach der Sprache ist mit Abstand die häufigste. Deshalb hier die Orientierung, die dir in der Kinderarztpraxis oft fehlt.
Woran du dich ungefähr orientieren kannst
Sprachentwicklung verläuft nicht bei allen Kindern gleich schnell. Es gibt aber Punkte, an denen sich ein genauerer Blick lohnt:
Mit etwa zwölf Monaten verwenden die meisten Kinder erste Wörter mit Bedeutung. Wichtiger als das Wort selbst ist, dass dein Kind versteht, was du sagst, und auf seinen Namen reagiert.
Mit etwa 24 Monaten liegt der aktive Wortschatz bei vielen Kindern über fünfzig Wörtern, und es entstehen erste Zweiwortkombinationen: „Mama da", „Auto weg". Kinder mit deutlich weniger als fünfzig Wörtern und ohne Wortkombinationen werden fachlich als Late Talker bezeichnet.
Mit etwa drei Jahren spricht ein Kind in kurzen Sätzen und wird auch von Menschen außerhalb der Familie überwiegend verstanden.
Diese Zahlen sind Anhaltspunkte, keine Prüfungsordnung. Ein Kind, das zwei Wochen später anfängt, ist kein Fall für die Frühförderung.

Was mehr zählt als der Wortschatz
Eltern zählen oft Wörter. Aus fachlicher Sicht ist etwas anderes aussagekräftiger: Wie kommuniziert dein Kind, wenn es nicht spricht?
Ein Kind, das dich an der Hand zum Kühlschrank zieht, auf Dinge zeigt, Blickkontakt sucht und dir sein Spielzeug hinhält, kommuniziert – nur eben nicht mit Worten. Bei diesen Kindern kommt Sprache häufig noch.
Sorgen macht mir eher das Kind, das gar nicht versucht, sich mitzuteilen. Das nicht zeigt, nicht auf seinen Namen reagiert, sich nicht am Gesicht seines Gegenübers orientiert. Da geht es dann nicht mehr nur um Sprache, sondern um Kommunikation insgesamt – und da lohnt sich frühes Hinschauen besonders.
Was du sofort selbst tun kannst
Sprache entsteht nicht durch Abfragen. „Wie heißt das? Sag mal Ball!" erzeugt bei den meisten Kindern eher Druck als Wörter.
Was tatsächlich wirkt, ist unspektakulär: Sprich das aus, was dein Kind gerade tut, während es das tut. Es schiebt ein Auto, du sagst „das Auto fährt". Es hebt einen Stein auf, du sagst „ein Stein, ein schwerer Stein". Dein Kind muss nichts erwidern. Es braucht Sprache, die zu dem passt, worauf seine Aufmerksamkeit gerade ohnehin liegt.
Zweiter Punkt: Lass Pausen. Viele Eltern reden schnell weiter, wenn keine Antwort kommt. Kinder mit verzögerter Sprachentwicklung brauchen oft mehrere Sekunden. Zähl innerlich bis fünf, bevor du weitersprichst.
Und wenn du unsicher bleibst
Abwarten ist keine neutrale Entscheidung. Es ist eine Entscheidung. Die Zeit zwischen zwei und vier Jahren ist die, in der Sprachförderung am besten wirkt – und genau die geht verloren, wenn man erst zur Einschulung genauer hinschaut.
Wenn du dir nicht sicher bist, ob das, was du beobachtest, im normalen Rahmen liegt: Mach den kostenlosen Eltern-Check. Zwei Minuten, anonym, ohne Anmeldung. Du bekommst eine Einschätzung und weißt danach, ob sich ein nächster Schritt lohnt.




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